Rundbrief (November 2010)

Liebe Freunde Fichtes,

der Vorstand der Internationalen Fichte-Gesellschaft freut sich, Ihnen mitteilen zu können, dass vor kurzem alle Entscheidungen der Mitgliederversammlung vom Oktober 2009 nach deutschem Recht für rechtskräftig befunden wurden. Eine vollständige Mitgliederdatei wurde zudem eingerichtet, die darüber Auskunft gibt, welche Personen nur auf postalischem Wege informiert werden können. An sie wird in Zukunft bei jeder Mitteilung des Vorstandes sowie zur Einberufung der allgemeinen Versammlung, die alle drei Jahre anlässlich des Kongresses der Gesellschaft stattfindet, ein besonderes Anschreiben verschickt. Diese Maßnahme wird – so hoffen wir – die Unannehmlichkeiten beseitigen, die in der Vergangenheit den Mitgliedern ohne E-mail-Adresse bereitet wurden. Die regelmäßigen Mitteilungen an die Mitglieder wird der Vorstand ansonsten wie gewohnt auf elektronischem Wege übermitteln.

  •  Zuallererst haben wir die große Freude, Ihnen die Gründung der lateinamerikanischen Fichte-Vereinigung (ALEF - Asociación Latinoamericana de Estudios sobre Fichte / Associação Latinoamericana de Estudos sobre Fichte) mitzuteilen. Ihre Webseite ist unter folgender Adresse abrufbar : http://alef-esp.blogspot.com/ (auf Spanisch) bzw. http://alef-por.blogspot.com/ (auf Portugiesisch). Die neue Vereinigung, deren Ziel die Förderung der Fichte-Forschung in spanischer und portugiesischer Sprache auf dem südamerikanischen Kontinent in Partnerschaft mit dem iberischen Fichte-Netzwerk und der Internationalen Fichte-Gesellschaft darstellt, sieht für 2011 die Organisation von zwei Kongressen vor : in Brasilien (Bundesuniversität von Goais) und in Argentinien (Nationale Universität von Buenos Aires) unter der Initiative von Jimena Solé, Emiliano Acosta und Thiago S. Santoro.
  • Zur Vereinfachung der freien Kommunikation unter seinen Mitgliedern und zur wissenschaftlichen Information in Sachen Fichte-Forschung beschäftigt sich die Gesellschaft zurzeit mit einem mehrsprachigen Werkzeug, der Seite Fichte-News (www.fichte-news.org). Anfänglich gegründet von unseren italienischen Freunden ist die Seite Fichte-News inzwischen zu einem regelmäßigen Informationswerkzeug der ganzen Gesellschaft geworden. Jeder von Ihnen verfügt über die Möglichkeit, in jeder Sprache, die in der internationalen Fichte-Forschung im Gebrauch ist, Ankündigungen von Aktivitäten (Tagungen, Konferenzen, Seminare,…) und von eigenen oder fremden Publikationen über Fichte zu „posten“. Wir laden Sie wärmstens dazu ein, davon den größtmöglichen Gebrauch zugunsten unserer gesamten Forschungsgemeinschaft zu machen.
  • Um das internationale Niveau der Aktivitäten der Gesellschaft und der damit verbundenen Initiativen deutlich zu machen, wurde die neue Webseite der Internationalen Johann Gottlieb Fichte-Gesellschaft auf der Plattform der Forschung EuroPhilosophie eingerichtet, die bereits mehreren Forschungsgruppen und –netzwerken zur modernen und zeitgenössischen kontinentalen Philosophie Raum bietet und bis zu 8000 Besuche monatlich zählt. Diese neue Seite ist zu erreichen unter : www.internationale-fichte-gesellschaft.eu.
  • In dieser Folge haben andere europäische Fichte-Forschungsnetzwerke und – gruppen – die „Rete Italiana della Ricerca su Fichte“ (Italien), die „Groupe d’Etudes Fichtéennes de Langue Francaise“ (Belgien-Frankreich), die „Rede Ibérica de Estudios Fichteanos/Red Ibérica de Estudos sobre Fichte“ (Spanien-Portugal) – ihre eigenen Webseiten in unmittelbarer Nähe zur Internetseite der Internationalen Fichte-Gesellschaft eingerichtet, nämlich auf der Seite : www.europhilosophie.eu/recherche unter der Rubrik „Fichte-Forschung“. Auf diese Weise entsteht ein vielsprachiger Ort zur kollektiven Verbreitung und Aufwertung der Fichte-Forschung, der allen nationalen wie regionalen Forschungsgruppen zur Verfügung steht. Diese sind herzlich dazu eingeladen, dort ihren Platz neben den europäischen Netzwerken (die Benutzeroberfläche gibt es in 40 Sprachen) einzunehmen. Auch die neue lateinamerikanische Vereinigung hat dort zwei Seiten mit Links zu ihren eigenen Internetseiten veröffentlicht.

 Und schließlich hat die mehrsprachige Reihe „Fichte On-line“, die auf Initiative von Marco Ivaldo, Jean-Christophe Goddard und Marc Maesschalck auf der Plattform für elektronische Publikationen http://www.europhilosophie-editions.eu/fr/ gegründet wurde, ihr wissenschaftliches Ansehen dadurch vergrößert, dass sich die Gründungsredakteure dieser Plattform einer Satzung zur wissenschaftlichen Qualität und einer vertraglichen Vereinbarung verpflichtet haben. Die Reihe ist gekennzeichnet durch eine ISSN-Nummer (International Standard Serial Number), die ihr von der Bibliothèque Nationale de France verliehen wurde. Sie verfügt über ein Herausgebergremium und ein wissenschaftliches Gremium, das mit der Begutachtung der Publikationsvorschläge beauftragt ist. „Fichte On-line“ umfasst bereits 7 Bände auf Italienisch, Französisch, Portugiesisch und Spanisch, die aus drei in Europa und Argentinien veranstalteten Treffen stammen. Die lateinamerikanische Fichte-Vereinigung wird dort die regelmäßigen Bände ihrer wissenschaftlichen Rundschau unter dem Titel „Estudios sobre Fichte“ veröffentlichen. Wir laden Sie herzlich dazu ein, den Mitgliedern des Herausgebergremiums ihre Publikationsvorschläge zu übermitteln. Die elektronische Veröffentlichung auf „Fichte On-line“ ist mit einer zusätzlichen Veröffentlichung in Papierform vereinbar.

  •  In dieser Reihe „Fichte On-line“ werden auch nach Begutachtung durch den wissenschaftlichen Rat der Reihe die Bände des VII. Kongresses der Gesellschaft, der im Oktober 2009 in Brüssel stattfand, erscheinen. Der erste Band mit den Plenarvorträgen ist in Arbeit und wird Anfang 2011 online gehen. Die herkömmliche Veröffentlichung in den Fichte-Studien bei Rodopi wird zu einem späteren Zeitpunkt unter der Verantwortung des wissenschaftlichen Rats der Internationalen Fichte-Gesellschaft erfolgen. Die gesamten Beiträge, die uns übermittelt wurden, sind bereits als freie, nicht begutachtete Dokumente auf der Seite der Gesellschaft unter www.europhilosophie.eu/recherche/spip.php ?article490 einsehbar. So ist es ein Jahr nach dem Kongress möglich, Zugang zu fast allen Beiträgen des Kongresses zu erhalten.
  • Der VIII. Kongress der Internationalen Johann Gottlieb Fichte-Gesellschaft wird im September 2010 an der Universität von Bologna in Italien stattfinden. Er wird unter der Verantwortung von Carla de Pascale, Vizepräsidentin der Gesellschaft und Professorin an der Universität von Bologna, stehen. Die Europäische Kommission hat gerade der Anfrage stattgegeben, die Universität von Bologna in das Konsortium von Universitäten der Lehre Erasmus Mundus EuroPhilosophie aufzunehmen ; der zukünftige Kongress in Bologna wird neben anderen Finanzierungsmöglichkeiten von der Unterstützung des Konsortiums EuroPhilosophie durch die internationale Forschung in deutscher Philosophie profitieren können.
  • Das allgemeine Thema des Kongresses in Bologna lautet : „Fichte und seine Zeit“.
  • Die letzten Jahrzehnte des 18. und das erste Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts sind die ertragreichsten Jahre im philosophischen Schaffen Fichtes. Sie treffen zusammen mit einer fundamental wichtigen Periode der Geschichte Deutschlands, einer Periode, die große Veränderungen mit sich bringt – sowohl in institutioneller als auch in gesellschaftlicher Hinsicht – und die mit den Napoleonischen Eroberungszügen zu Ende geht, die einen Neubeginn in der deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts bedeuten. Die Nachwirkungen der Französischen Revolution wie die positiven und negativen Reaktionen, die sie hervorgerufen hat, spielen eine große Rolle in der geistigen und kulturellen Geschichte Deutschlands. Diese Jahre wohnen auch der Geburt der romantischen Bewegung bei, deren Vaterschaft man wohl Fichte zusprechen muss, obzwar er bald von seinen Schülern verleugnet wurde (zur Erinnerung : das Fichte-Haus in Jena wurde einst auf den Namen „Romantiker Haus“ getauft und ist immer noch unter diesem Namen bekannt).
  • Die Periode, in der das philosophische Schaffen Fichtes seinen Höhepunkt erreicht, ist zugleich die Zeit eines neuen politischen Bewusstseins : der Wiederentdeckung der Rolle des Intellektuellen und einer neuen Vorstellung des Fürstentums. Es ist die Zeit, in der die Nation entsteht. Alle damit verbundenen Fragen sind bereits umfassend von der Fichte-Forschung behandelt worden. Dennoch scheint es, dass eine globale Ansicht und vor allem ein Blick von außen noch fehlen. Der Kongress in Bologna beabsichtigt, diese Fragen nicht immanent zu beantworten, sondern vielmehr die Art und Weise zu analysieren, wie die Fichteschen Überlegungen zu diesen einzelnen Aspekten hinsichtlich ihrer Außenbezüge gereift sind – darunter sind die Beziehungen zu anderen Denkern (Philosophen, Künstler, Schriftsteller, Politiker, Staatstheoretiker), zu geschichtlichen Fakten oder zu institutionellen Veränderungen, die neue theoretische Positionen hervorriefen, zu verstehen.
  • Mögliche Einzelthemen der Forschung sind : die Tradition der Kronprinzenvorträge im Ausgang von C. G. Svarez ; die zahlreichen Kontroversen mit den Autoren der Spätaufklärung (Nicolai) wie auch mit den Vertretern der konservativen Gruppe (Rehberg) ; die Reaktion auf die Kampagne der Zeitschrift „Eudämonia“ ; die Verteidigung gegen den Atheismusvorwurf ; die Debatte über Krieg und Frieden ; die Diskussion um die Nachfolger der klassischen Naturrechtslehren (Schmalz, Hufeland) ; die wiederkehrende Gegenwart Rousseaus in dieser Debatte und der Begriff der Souveränität ; die Bedeutung der Fragen zur Staatsökonomie (in der physiokratischen Tradition bis F. List und bis zu den Anfängen des Sozialismus), die durch die Notwendigkeit entstand, die alten feudalen Institutionen zu überwinden und eine neue Wirtschaftsordnung zu schaffen ; die zahlreichen Reaktionen auf den Geschlossenen Handelsstaat ; der Enthusiasmus für die Reden an die deutsche Nation ; Fortdauer und Veränderung des Begriffs „Wohlfahrtsstaat“ ; die Anfänge des neuen Begriffs der Verwaltung ; die Debatte über die Kodifizierung, die mit der Notwendigkeit verbunden war, nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation neue Institutionen zu schaffen ; die Frage nach der Quelle des Konstitutionalismus ; die Überlegungen zur Rolle der alten und neuen Freimaurerei ; die Verbindungen mit den Romantikern der ersten Generation und deren Verfolgung in Berlin des Jahrhundertbeginns ; die Wiederaufnahme der Untersuchung über Geschichtsphilosophie ; der neue Kurs in der deutschen Kultur, Politik und universitären Lehre, der zur Gründung der Berliner Universität führte. Jeweils wird es darum gehen, mit der größtmöglichen Präzision die wirkliche, identifizierbare Beziehung in den Blick zu bekommen, die Fichte zu jeder dieser Fragen bzw. zu jedem ihrer Autoren hatte.
  • Die detaillierte Darstellung und der Arbeitsplan des Kongresses, der auf der Grundlage der Arbeiten des Organisationskomitees entwickelt wird, werden Ihnen im Laufe des Jahres 2011 übermittelt.

Wir wünschen Ihnen ein schönes akademisches Jahr und produktives Arbeiten !

Mit herzlichen Grüßen
Carla De Pascale, Christoph Asmuth, Christoph Binkelmann, Jean-Christophe Goddard, Jacinto Rivera de Rosales.

Anhang: